Der Markt als selbst-referenzielles Skript
Der Markt ist nicht einfach ein neutraler Ort des Tausches, sondern ein komplexes, selbst-referenzielles System, das durch spezifische „Skripte“ und Kommunikationsformen konstituiert wird. Diese Skripte bestimmen, was als „Wert“ gilt, wie „Risiko“ verarbeitet wird und welche Verhaltensweisen als rational oder erfolgreich angesehen werden. Die „Wirkmächtigkeit“ dieser Skripte zeigt sich darin, dass sie die ökonomische Realität direkt formen und steuern.
1. Der Markt als Superorganismus, generatives Simulakrum und seine kulturellen Wurzeln
Der Markt funktioniert ähnlich wie ein komplexes adaptives System oder ein Superorganismus. Er ist ein dezentrales System, in dem unzählige individuelle Akteure relativ einfachen „Skripten“ (z.B. Gewinnmaximierung, Kostenminimierung) folgen. Aus diesen lokalen Interaktionen entstehen komplexe, globale Verhaltensweisen (Angebot und Nachfrage, Preisentwicklungen, Konjunkturzyklen), die eine Form verteilter Intelligenz darstellen. Wirtschaftstheorien, Finanzregulationen, Börsenindizes und Handelsalgorithmen sind allesamt „Skripte“, die auf der Oberfläche der Marktinteraktionen operieren und versuchen, die unermessliche Komplexität in handhabbare, „lesbare“ Formen zu bringen.
Im Sinne Jean Baudrillards kann der Markt als ein höchst wirkmächtiges Simulakrum verstanden werden. Finanzwerte können sich von der „materiellen“ Realität (Produktion, Güter) entkoppeln und eine eigene, hyperreale Logik entwickeln. Börsenkurse, die durch Algorithmen in Millisekunden entstehen, haben immense reale Auswirkungen auf Vermögen und Lebensgrundlagen. Der Markt produziert Realität basierend auf seinen internen „Skripten“ und den darauf basierenden Interaktionen.
Die immense „Wirkmächtigkeit“ von Markt-Skripten ist evident in ihrer Fähigkeit, globale Ressourcenallokation zu organisieren. Ein Vergleich mit indigenen „Skripten“ zeigt jedoch, dass die Werte und Ziele, die in den jeweiligen „Skripten“ verankert sind, zu radikal unterschiedlichen Formen der Realitätskonstruktion und zu verschiedenen ökonomischen und ökologischen Ergebnissen führen können (z.B. Wachstum vs. Koexistenz; Extraktion vs. Balance).
Marshall Sahlins liefert hierfür eine entscheidende anthropologische Grundlage. Seine These von der „ursprünglichen Überflussgesellschaft“ (Original Affluent Society) bei Jägern und Sammlern stellt die westliche ökonomische Annahme von Knappheit und dem unersättlichen menschlichen Bedürfnis fundamental in Frage. Sahlins argumentiert, dass diese Gesellschaften nicht arm waren, sondern affluent, weil sie ihre Bedürfnisse mit vergleichsweise geringem Aufwand befriedigen konnten, was viel Freizeit ermöglichte. Dies verdeutlicht, dass „Wohlstand“ oder „Überfluss“ keine universellen, rein materiellen Kategorien sind, sondern tief in kulturellen Logiken verankert. Der moderne Markt beruht auf einem spezifischen kulturellen Skript der Knappheit und des unbegrenzten Bedarfs, das die Grundlage für den Wachstumszwang bildet.
2. Banken als Skript-Operatoren (nach Dirk Baecker und Niklas Luhmann) – Systemische Rendite-Logik und strategische Verwirrung
Dirk Baeckers Werk „Womit Banken handeln?“ (mit einem Vorwort von Niklas Luhmann) analysiert Banken nicht primär als Orte des Geldhandels, sondern als Akteure, die mit den Risiken von Zahlungsversprechen handeln. Aus systemtheoretischer Sicht sind Banken autopoietische Systeme, die ihre eigene Realität und Logik konstruieren. Sie operieren innerhalb eines spezifischen Skripts, das die Verarbeitung von Unsicherheit und die Generierung von Vertrauen durch ständige Kommunikation über Zahlungsversprechen umfasst. Die Finanzmärkte sind somit ein Paradebeispiel dafür, wie ein System seine eigene Instabilität als Reproduktionsmechanismus nutzen kann, indem es immer komplexere Risikostrukturen schafft. Die Aktualität von Baeckers Analyse, insbesondere im Hinblick auf Finanzkrisen, zeigt, dass die internen Logiken dieser Systeme oft zu externen Verwerfungen führen, da sie sich von einer „realen“ Wirtschaft abkoppeln und ihre eigenen, hochabstrakten Skripte verfolgen.
Dieses bankeninterne Skript ist fundamental von der Logik der eigenen Rendite angetrieben. Das Kern-„Bedürfnis“ der Banken ist es, eine eigene, positive Rendite zu erzielen. Da Banken ihre Mittel großteils durch Kredite an Unternehmen und andere Akteure vergeben, speist sich ihre Rendite aus der Rendite dieser Kreditnehmer. Dies impliziert einen systemischen Zwang: Unternehmen müssen zusätzliche Rendite produzieren, um sowohl ihre eigene Rentabilität als auch die der Banken (durch Kreditrückzahlung und Zinsen) zu gewährleisten. Dieser Druck zur Generierung zusätzlicher Rendite ist ein zentraler Treiber für den Wachstumszwang des Systems.
Diese systemische Rendite-Logik erzeugt ein scheinbares „Bedürfnis“ nach ständiger Innovation und der Entwicklung immer komplexerer Finanzstrategien und -produkte. Im Sinne von Abraham Maslow und Marshall Rosenberg ist es entscheidend, zwischen universellen Bedürfnissen und den spezifischen Strategien zu unterscheiden, mit denen wir versuchen, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Während Banken und der Finanzsektor scheinbar ein „Bedürfnis“ nach Wachstum, Risikomanagement oder Effizienz verspüren, sind die darauf aufbauenden „Innovationen“ wie komplexe Derivate oder neue Handelsstrategien oft nur Strategien innerhalb des dominanten Markt-Skripts, die dazu dienen, die Rendite-Anforderungen zu erfüllen. Diese Strategien sollen systeminterne „Bedürfnisse“ wie Profitabilität oder Risikominimierung erfüllen, können aber, ähnlich den psychologischen Blockaden auf individueller Ebene, dazu führen, dass die eigentlichen, tiefer liegenden Bedürfnisse (z.B. nach Sicherheit, Stabilität der Realwirtschaft, Gemeinwohl) nicht erfüllt, sondern sogar untergraben werden.
Selbst kreditfinanzierter Umwelt- und Klimaschutz, soziale Projekte oder Bildungsinitiativen unterliegen innerhalb dieser Logik dem Primat der Rendite und des Renditewachstums, was ihre transformative Kraft einschränken oder sogar pervertieren kann. Projekte wie Carbon Credits oder REDD+ sind Beispiele, wie Umweltmaßnahmen in diese finanzielle Logik eingebettet werden. Hierbei ist ein kritischer Punkt: Projekte, die angeblich kein Risiko beinhalten, sind für das Finanzsystem oft nicht förderwürdig oder werden als weniger attraktiv angesehen, da die Renditeerwartung untrennbar mit der Übernahme von Risiko verbunden ist. Das heißt, echte, potenziell hochwirksame Transformationsprojekte, die inhärent Risiken bergen (z.B. durch Unvorhersehbarkeit natürlicher Systeme, soziale Komplexität oder unkonventionelle Ansätze), können von der dominanten Finanzierungslogik ausgeschlossen werden, weil diese nach „risikofreien“ oder zumindest klar kalkulierbaren, renditeträchtigen Investitionen sucht. Die systemische Verwechslung von Strategien mit fundamentalen Bedürfnissen treibt einen Innovationszyklus an, der neue, unbekannte Risiken schafft und zur Entkopplung vom „Realen“ beiträgt.
3. Charles Goodhart als Notenbanker: Die Gestaltung und Herausforderung von Finanzskripten
Charles Goodharts umfassende Karriere und sein Einfluss als Ökonom und Berater der Bank of England bieten eine kritische Perspektive auf die Rolle der Zentralbanken bei der Gestaltung und Steuerung der Finanzsysteme. Goodharts Arbeit als Notenbanker beleuchtet, wie geldpolitische Entscheidungen, Regularien und die Kommunikation von Zentralbanken selbst mächtige Skripte erzeugen, die das Verhalten von Banken und Marktteilnehmern prägen.
Geldpolitik als Skriptgeber: Zentralbanken legen durch Leitzinsen, Liquiditätsbereitstellung und Ankaufprogramme die Rahmenbedingungen fest, innerhalb derer sich die Finanzmärkte bewegen. Diese geldpolitischen „Skripte“ sollen Stabilität gewährleisten, können aber auch unbeabsichtigte Anreize schaffen, die bestimmte Verhaltensweisen fördern (z.B. übermäßige Risikobereitschaft in Zeiten niedriger Zinsen), um die oben beschriebene Rendite-Logik zu befeuern.
Regulierung und Finanzstabilität: Goodhart hat sich intensiv mit der Finanzregulierung und den Herausforderungen der Finanzstabilität auseinandergesetzt. Er analysiert, wie Regulierungen, obwohl sie die Stabilität sichern sollen, auch neue „Skripte“ des Verhaltens schaffen können, die Schlupflöcher oder neue Risikobereiche generieren. Die ständige Anpassung von Regularien ist ein Ausdruck des Versuchs, die emergenten und oft unerwünschten Skripte des Marktes einzufangen.
Die Abkopplung vom Goldstandard als Katalysator des Simulacrums: Ein entscheidender Moment, der die Loslösung des Finanzsystems von einer „materiellen“ Referenz verstärkte, war die Abkopplung des Geldes vom Goldstandard. Durch diese Dereferenzierung wurde Geld zu einem reinen Zeichen ohne ursprüngliches Äquivalent, was die Entwicklung des Marktes zu einem Baudrillard’schen Simulacrum enorm beschleunigte. Die „Wertschöpfung“ im Finanzsystem basiert nun nicht mehr auf einer physischen Deckung, sondern auf dem „Versprechen von Versprechen“ und kollektiver Akzeptanz, was die Tür für hyperreale und spekulative Skripte öffnete und die Rendite-Logik ohne physische Grenzen wirken ließ.
Die Illusion der Kontrolle und die Geburt von Goodhart’s Law: Goodharts Perspektive als Notenbanker zeigt auch die Grenzen der Steuerung. Trotz aller Bemühungen der Zentralbanken entwickeln Finanzmärkte eine Eigendynamik und folgen oft ihren eigenen, sich selbst verstärkenden Skripten, die schwer zu durchbrechen sind. Die Erkenntnis, dass Metriken, sobald sie als Ziel für politische oder regulatorische Maßnahmen dienen, ihre ursprüngliche Aussagekraft verlieren und zu verzerrtem Verhalten führen können, führte Goodhart schließlich zur Formulierung seines berühmten Goodhart’s Law: „Wenn eine Messgröße zu einem Ziel wird, hört sie auf, eine gute Messgröße zu sein.“ Dies illustriert, wie die Realität des Marktes nicht einfach „gemacht“ oder „kontrolliert“ werden kann, sondern eine komplexe Interaktion von Systemlogiken, menschlichem Verhalten und politischen Entscheidungen ist, die durch die Messung selbst beeinflusst wird.
4. Die Externalisierung von Kosten als blindes Skript und Degrowth als Gegenskript
Ein fundamentales, oft unsichtbares Skript des dominanten Marktmodells ist die Externalisierung von Sozial- und Umweltkosten. Das bedeutet, dass die Kosten für Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch, soziale Ungleichheit, psychische Gesundheitsschäden oder die Ausbeutung von Arbeitskräften nicht im Preis der Produkte oder Dienstleistungen abgebildet werden. Diese Kosten werden auf die Allgemeinheit, zukünftige Generationen oder die Umwelt abgewälzt.
Verzerrte „Wirklichkeit“: Dieses Skript verzerrt die wirtschaftliche „Wirklichkeit“, indem es eine scheinbare Effizienz und Rentabilität vorspiegelt, die nur durch die unsichtbare Umverteilung von Lasten erreicht wird. Es führt zu einer systematischen Wertschätzung von kurzfristigem Gewinn über langfristige Nachhaltigkeit und Gemeinwohl. Die Folge sind „Probleme, die wir nicht kennen“, da die Kausalitäten von Umweltzerstörung oder sozialer Fragmentierung aus den dominanten Markt-Skripten ausgeblendet werden. Die Rendite-Logik verstärkt diesen Effekt, da sie die „Kosten“ im System belässt, die die Rendite mindern würden.
Degrowth als radikales Gegenskript (u.a. Jason Hickel): Theorien des Degrowth (Post-Wachstum), maßgeblich beeinflusst durch Ökonomen wie Jason Hickel, bieten ein radikales Gegenskript zum vorherrschenden Wachstumszwang. Degrowth-Ansätze stellen die Annahme, dass kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum notwendig oder wünschenswert ist, grundlegend in Frage. Sie argumentieren, dass ein endlicher Planet kein unendliches Wachstum zulassen kann und dass das Streben nach Wachstum oft zu den bereits genannten externalisierten Kosten und zu einer Überlastung der planetaren Grenzen führt. Degrowth plädiert für eine bewusste Reduktion des materiellen Verbrauchs und der Produktion in reichen Ländern, um ökologische und soziale Gerechtigkeit zu ermöglichen. Dies impliziert eine tiefgreifende Recodierung der Markt-Skripte, weg von Wachstum als primärem Ziel, hin zu Konzepten wie Wohlbefinden, Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und einer gerechteren Verteilung.
5. Künstliche Intelligenz (KI) – Ein neues, mächtiges Skript der Transformation und des Risikos (Kurzweil, Searle)
Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, insbesondere der Glaube an die baldige Realisierung von AGI (Artificial General Intelligence) und ASI (Artificial Superintelligence) bis hin zur Singularität, bildet ein weiteres hochwirksames, wenn auch noch im Entstehen begriffenes „Skript“ unserer Zeit.
KI als Verheißung und Fiktion (Ray Kurzweil): Die Erzählung von einer übermenschlichen Intelligenz, die alle Probleme lösen oder die menschliche Existenz grundlegend transformieren kann, fungiert als mächtige kollektive Fiktion im Sinne Hararis und Baudrillards. Ray Kurzweil ist einer der prominentesten Verfechter dieser Vision, indem er exponentielles technologisches Wachstum und die Verschmelzung von Mensch und Maschine postuliert, die in der Singularität kulminiert. Diese Fiktion zieht enorme Investitionen an und prägt die Innovationslandschaft.
Rendite-Logik und spekulative Investitionen: Billionen von Dollar fließen in die KI-Entwicklung, angetrieben von der Spekulation auf zukünftige, potenziell exponentielle Renditen. Die Aussicht auf eine ASI wird als der ultimative „Game Changer“ gesehen, der die globale Machtverteilung und Wertschöpfung neu ordnet.
Paradox der Gefahr als Investment-Treiber: Paradoxerweise tragen selbst die postulierten Gefahren von KI, wie das Risiko einer unkontrollierbaren ASI oder existenzielle Bedrohungen für die Menschheit, zur Anregung von Investitionen bei. Das Rennen um die „erste“ AGI oder ASI wird durch die Angst vor den potenziellen Fähigkeiten der Konkurrenz angeheizt („race to the bottom“ der Sicherheit). Das Risiko selbst wird zu einem impliziten Werttreiber, da es die potenzielle Macht und damit die Renditechancen signalisiert.
„Probleme, die wir nicht kennen“ und die Grenzen des Verständnisses (John Searle): Die Entwicklung von KI schafft „Probleme, die wir nicht kennen“ in einer noch nie dagewesenen Dimension. Während traditionelle Markt-Skripte soziale und ökologische Kosten externalisieren, kann das KI-Skript unvorhersehbare, systemische und sogar existenzielle Risiken generieren, die weit über bisherige Externalitäten hinausgehen und nur schwer in etablierten Risiko-Modellen abgebildet werden können. Es stellt eine weitere Entkopplung vom menschlich fassbaren „Realen“ dar und führt zu einem neuen Typus des „Simulacrums“. John Searles „Chinesisches Zimmer“-Gedankenexperiment ist hier ein kritischer Einwurf: Es hinterfragt die Annahme, dass ein System, das Regeln (Skripte) perfekt befolgt und scheinbar „intelligent“ agiert, tatsächlich „Verständnis“ besitzt. Dies wirft die grundlegende Frage auf, ob KI wirklich intelligent sein kann oder lediglich ein komplexes, wenn auch hochleistungsfähiges, Simulakrum von Intelligenz ist, das uns durch seine Performance täuscht und damit neue, schwer zu durchschauende Risiken schafft, wenn wir ihm „Vertrauen“ und „Verständnis“ zuschreiben, die es nicht besitzt.
6. Implikationen für die Recodierung von Skripten
Die Einsichten von Baecker/Luhmann, Goodhart, Baudrillard, Sahlins, Hickel und die Beobachtung der KI-Entwicklung unterstreichen die tiefe Verankerung von „Skripten“ im Finanzsystem, die Gefahr einer Entkopplung von materieller Realität und die Notwendigkeit, externalisierte Kosten zu internalisieren. Eine radikale Recodierung bedeutet hier:
Transparenz der Systemlogiken und kulturellen Prägungen: Verstehen, welche tief liegenden Kommunikations- und Verhaltensskripte Banken, Zentralbanken und die breitere Wirtschaft antreiben und wie diese zur Stabilität oder Instabilität beitragen. Insbesondere muss erkannt werden, wie die Messung und Steuerung selbst die Skripte verändern kann (Goodhart’s Law), wie die Entkopplung von physischen Referenzen die Schaffung von „Hyperrealität“ im Finanzbereich fördert und wie die Externalisierung von Kosten die „Wirklichkeit“ des Marktes verzerrt. Dabei ist es entscheidend, die kulturelle Prägung unserer Wirtschafts-„Skripte“ zu erkennen, wie Sahlins sie aufzeigt, und ihre universelle Gültigkeit zu hinterfragen. Die grundlegende Rendite-Logik der Banken, die auch scheinbar risikofreie Projekte benachteiligt und paradoxerweise sogar durch die potenziellen Gefahren von KI befeuert wird, muss als zentrale Komponente des Skripts verstanden werden.
Gestaltung von Anreizstrukturen und Internalisation von Kosten: Erkennen, wie geldpolitische und regulatorische Maßnahmen neue Skripte erzeugen können, und bewusst solche gestalten, die nachhaltiges und resilienteres Verhalten fördern, anstatt nur kurzfristige Kennzahlen zu optimieren. Dazu gehört die Internalisierung von Sozial- und Umweltkosten, um die wahren Preise von Gütern und Dienstleistungen abzubilden und so Anreize für nachhaltigere Produktions- und Konsummuster zu schaffen. Dies erfordert ein Bewusstsein für die performativen Aspekte von Metriken und Regeln und eine Offenheit für Projekte, die aufgrund ihrer Natur ein inhärentes, aber gesellschaftlich notwendiges Risiko bergen.
Grenzen der Steuerung anerkennen und Wachstumszwang hinterfragen: Die Illusion der vollständigen Kontrolle aufgeben und stattdessen Strategien entwickeln, die auf Resilienz, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit zur schnellen Korrektur von Fehlern setzen, anstatt auf die Perfektionierung eines einzigen, starren Skripts, dessen Messgrößen sich durch die Zielsetzung selbst verzerren und dessen Referenz zur Realität immer dünner wird. Insbesondere die Notwendigkeit, das Skript des unendlichen Wachstums zu hinterfragen und alternative Modelle wie Degrowth zu erkunden, die eine Transformation zu einer nachhaltigeren und gerechteren Wirtschaftsweise ermöglichen.
Verbindung zur „realen“ Wirtschaft und Biosphäre wiederherstellen – und neue Risikodimensionen managen: Überlegungen anstellen, wie die Finanzskripte wieder stärker an ökologische und soziale Realitäten gekoppelt werden können, um die Produktion von „Probleme, die wir nicht kennen“ zu reduzieren und eine koexistente Beziehung zur natürlichen Welt zu ermöglichen. Dies bedeutet auch, andere kulturelle Logiken des Wohlstands anzuerkennen, die nicht auf materiellem Wachstum basieren, und die Verwechslung von systemischen Strategien mit echten Bedürfnissen aufzudecken, insbesondere wenn die Rendite-Logik positive Initiativen kooptiert und ihrem eigenen Zwang unterwirft. Die Entwicklung von KI-Skripten erfordert zudem eine kritische Auseinandersetzung damit, wie neue Technologien eigene „Bedürfnisse“ und Risiken generieren, die außerhalb unserer etablierten Bewertungsrahmen liegen, und ob das vermeintliche „Verständnis“ von KI nicht selbst ein potenziell gefährliches Simulakrum ist.
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